Steuerliche Hilfen für Unternehmen in Bayern

(Stand: 20. März 2020)

Die Bundesregierung hat am 13.03.2020 angekündigt, dass den Unternehmen angesichts der wirtschaftlichen Beeinträchtigung durch die Folgen der Corona-Pandemie durch maßvollen und liquiditätsschonenden Steuervollzug entgegengekommen werden soll. Voraussetzung für die Gewährung sind nachweislich unmittelbare und nicht unerhebliche Beeinträchtigungen durch die Auswirkungen des Coronavirus.


Folgende Instrumente wurden in diesem Zusammenhang beschlossen:

1. Herabsetzung von Steuervorauszahlungen:

Vorauszahlungen für Einkommen- und Körperschaftsteuer können auf Antrag herabgesetzt werden. In Bezug auf die Gewerbesteuer kann die Herabsetzung des Steuermessbetrags für Zwecke der Gewerbesteuer-Vorauszahlungen beantragt werden. Mittelbar ergibt sich daraus dann auch eine Herabsetzung von Gewerbesteuervorauszahlungen seitens der Kommune. Um eine termingerechte Bearbeitung beim Finanzamt zu ermöglichen, sollten die Anträge aufgrund des zu erwartenden hohen Aufkommens frühzeitig vor den anstehenden Terminen (Gewerbesteuer 15. Mai, Einkommen-, Körperschaftsteuer 10. Juni) gestellt werden.


2. Stundung von Steuerzahlungen:

  • Einkommen-, Körperschaftsteuer:
    Mittels dem unten verlinkten Antrag können bayerische Unternehmen eine Stundung bereits fälliger oder in Zukunft fällig werdender Einkommen- oder Körperschaftssteuerzahlungen beantragen.

Die Anträge müssen sich zeitlich ebenfalls an den o. g. Fälligkeitszeitpunkten der Steuern ausrichten.

  • Gewerbesteuer:
    Stundungen der Gewerbesteuer müssen Unternehmen hingegen bei der entsprechenden Kommune beantragen. Es ist zu hoffen, dass auch die Kommunen die Auswirkungen des Coronavirus pragmatisch behandeln und entsprechende Stundungsanträge unkompliziert genehmigen.

  • Umsatzsteuer:
    In besonders begründeten Fällen kann auch eine Stundung der Umsatzsteuer in Frage kommen. Hinsichtlich der Anträge sollten hier insbesondere auf die Abgabetermine der Umsatzsteuer-Voranmeldungen beachtet werden.

An die Begründung der Stundungsanträge sollen laut BMF-Schreiben vom 19.03.2020 im Allgemeinen keine strengen Anforderungen gestellt werden. Für die vorgenannten Steuerarten gilt nach Vorgabe dieses Schreibens, dass auf Stundungszinsen „in der Regel“ verzichtet werden kann. Die bayerische Finanzverwaltung stundet die Einkommen-, Körperschaft- und Umsatzsteuer derzeit für einen Zeitraum von drei Monaten zinslos. Seitens der für die Gewerbesteuer zuständigen Kommunen liegt hierzu noch keine einheitliche Äußerung vor.

Die bayerische Finanzverwaltung hat ein Formular veröffentlicht, mit dem sowohl die Steuerherabsetzung als auch die -stundung beantragt werden können.

Wir weisen vorsorglich darauf hin, dass unrichtige Angaben in den Anträgen strafrechtliche Folgen haben können.

Falls Sie am Lastschrifteinzugsverfahren teilnehmen kann ergänzend die automatische Abbuchung zur Schonung der vorhandenen Liquidität vorsorglich widerrufen werden.

  • Lohnsteuer
    Bitte beachten Sie, dass eine Stundung der abzuführenden Lohnsteuer Ihrer Arbeitnehmer keinesfalls in Betracht kommt!
    Bei der einbehaltenen Lohnsteuer handelt es sich um Fremdgeld, welches Sie als Arbeitgeber treuhänderisch für Rechnung Ihrer Arbeitnehmer an das Finanzamt abführen müssen. Falls die aktuelle Liquidität hierfür nicht ausreicht, ist das Gehalt entsprechend zu kürzen.
    Informieren Sie in einem solchen Fall unbedingt kurzfristig Ihre Lohnsachbearbeiterin bezüglich des weiteren Vorgehens.


3. Auf Vollstreckungsmaßnahmen (z. B. Kontopfändungen) bzw. Säumniszuschläge soll bis zum 31.12.2020 verzichtet werden, wenn der Schuldner einer bereits fälligen Steuerzahlung unmittelbar von den Auswirkungen des Coronavirus betroffen ist. Dieser Antrag muss bei der zuständigen Finanzbehörde gestellt werden. Ein gesondertes Formular gibt es dazu nicht.


Sämtliche zuvor dargestellten Maßnahmen beziehen sich grundsätzlich auf Unternehmen mit Sitz in Bayern. Für Mandanten aus anderen Bundesländern klären wir gerne im Einzelfall, welche Erleichterungen die für Sie zuständige Finanzverwaltung anbietet.